Nach der äußerst verregneten LE Biketour im vergangenen Jahr, war ich nicht der einzige, der sich gesagt hat: „Das muss auch in schön gehen!“ Schon am Start liefen mir die ersten bekannten Gesichter über den Weg. Einige davon sehe ich in nicht ganz 4 Wochen auf dem Fichtelberg.
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Dieses Jahr bin ich ja direkt aus einem kleinen „Trainingslager“ (vorranging etwas Radfahren, einarmiges Halbliterreißen und Spass haben) im Fichtelgebirge angereist. Der Versuch, sich die Beine nicht allzu dick zu fahren gelang auch so halbwegs. Dafür war ich aber schon bei der Anreise recht müde und ein wenig unmotiviert. Der Kaffee und sehr nette Nachmittag mit Ron bei seinen Freunden in Leipzig hob die Stimmung bei mir sehr. Danke Jungs!

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Hellwach und Top motiviert. Leider nicht.

Die Wetteraussichten waren großartig. Einzig etwas kalt sollte es in der Nacht werden. Das wäre nicht weiter ein Problem gewesen. Aber immer schön im Rekom-Puls rumgurken führt nun nicht gerade dazu, dass einem von innen heraus warm wird. Körperspannung und Aufmerksamkeit bauten auch mit der Zeit ab. Bei der Rast in Storkow musste dann erstmal Kaffee rein. Ich trug auch schon den Gedanken mit mir umher, einfach in Berlin auszusteigen. Ein Motivationstief vor dem Herren! Blöd nur – der Wohnungsschlüssel war in der Hose, die Hose in Leipzig – also doch nochmal zurück.
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In Berlin angekommen machten alle das obligatorische Selfie vor dem Brandenburger Tor. Einzig die mitfahrenden Berliner saßen auf den Oberrohren und lächelten müde vor sich her. Kennen wir doch – fahren wir fast jeden Tag durch. Doch genau das ist es, was viele der älteren Teilnehmer immer wieder mitfahren lässt. Das Brendenburger Tor und einmal da durch fahren. Vor 25 Jahren haben sie nur davon geträumt.

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Da sonst eher selten die Chance ist - Selfie am Brandenburger Tor

Gruppenfoto und weiter ging die „wilde“ Fahrt in den Tag. Irgendjemand meinte, die Frühstückspause wäre dann so 1:30h vom Brandenburger Tor aus. Am Ende waren es ganze 2:30h. Man merkte, wie die Mitfahrer um einen herum alle in sich ruhten, konzentriert, gerade aus zu fahren. Die Müdigkeit schlug bei vielen durch. Noch dazu die mentale Effekt, einfach mal eine Stunde länger zu fahren, als gedacht. Viele hatten für die „kurze Strecke“ keinen Riegel weiter eingesteckt. Das rächte sich dann ein wenig. Lieber Veranstalter – Kommunikation! Merklich wurde es im ganzen Feld auch meditativer. Jeder ruhte in sich, konzentrierte sich und kämpfte gegen die Müdigkeit.

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Nimm Essen mit, wie fahren durch Brandenburg

Der Weg quer durch Brandenburg wurde zu einer mentalen Herausforderung. Wind von der Seite und mal von vorne, plattes Land und immer weiter weg vom eigenen Bett. Immerhin schien die Sonne. Kettengespräche mit neuen und alten Bekannten vom Hallzig-Express verkürzten die Kilometer ein wenig bis zur Fähre und der Kartoffelsuppe. Fast da. Nur noch 70km – viele würden schon die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. „70km Fahrrad fahren? Du bist doch verrückt!“ Gespickt waren diese letzten Kilometer mit der ein oder anderen netten Welle und einem sehr sehr netten Anstieg. Dann nur noch fix auf die B2 und rein in die Stadt – über die sonst für Radfahrer gesperrte Rennstrecke natürlich. Warum hier im Stadtgetümmel allerdings von den Jungs vorne und den Motorradbegleitern so auf das Gas gedrückt wurde, verstehe ich nicht. Ob nun um 15:00 oder 15:10 alle Mann wieder am Völkerschlachtdenkmal sind ist doch egal. Und als Feld ankommen, anstelle einer zersprengten Masse ist doch schöner.

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Autobahnfeeling

Auch von der Angekündigten Zielverpflegung war nicht wirklich was zu spüren. Alle zog es zu ihren Familien, zum Gepäckauto und dann nach Hause. Die Ankunft auf einem teilweise besetzten Parkplatz hält halt niemanden lange vor Ort. Das wäre, wie im letzten Jahr mit Bühne und etwas Programm besser gewesen (obwohl das Wetter einen Strich durch die Rechnung machte).

Was mich im gesamten etwas störte, war die Fahrweise der Feldspitze. Vom Gefühl her (habe es leider nicht immer gesehen, da ich mich oftmals erst ab Reihe 10 oder weiter hinten aufhielt) fanden gar keine Wechsel statt. Die Tatsache, dass sich ab der Rast bei der Fähre die Begleiter vorn über das Tempo ausließen „nicht mehr ganz so schnell, Beine schon dick“ Während hinten einige starke Leute mit 100er Puls rumgurkten – einfach mal alle starken, oder die, die sich dafür halten, nach vorn und die ersten 10 Reihen sauber alle 20 Minuten wechseln lassen. Der Sicherheitsabstand zum Führungsfahrzeug war auch immer, wenn ich ihn sehen konnte, unter den 200m, die beim Briefing genannt wurden. Was folgte waren Beschleunigungs- oder Bremsarien. Aus den Kurven raus wurde so dermaßen angetreten, das es das Feld wie eine Ziehharmonika aufzog. Nur um 200m später von 35 km/h auf 25 km/h abzubremsen, weil irgendwo ein Loch aufklaffte. Konstantes fahren war irgendwie auch nicht möglich. Wahrscheinlich weil das Führungsfahrzeug oft so dicht dran war. Der eine unschöne Sturz im Feld hätte auch vermieden werden können. Handzeichen waren nicht klar (rief doch tatsächlich einer zu mir, sag was, wenn das Feld vor dir raus nimmt. Handzeichen und gut. Und das kam!). Die Kommunikation zwischen Feldspitze und -ende, sowie den Begleitfahrzeugen lief letztes Jahr gefühlt sehr viel besser. Ich denke mir, wir hätten bestimmt auch gut eine Stunde schneller sein können, ohne körperlich mehr kaputt zu sein. Ob diese Stunde dann für mehr Pausen genutzt wird (was nicht nötig wäre) oder einfach für ein vorbereitetes Programm im Ziel oder für einfach früher da sein ist ja egal.

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