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Leichte Selbstzweifel rollen auf meinem geliebten Focus Izalco mit an an den Start. Soll ich es wirklich wagen, in der Gruppe 1 vom Fichtelberg zum Kap Arkona zu fahren? Auf der Website des Veranstalters wurde eine angepeilte durchschnittsgeschwindigkeit von 32+x km/h angegeben. Sowie eine Bruttofahrzeit unter 21 Stunden und sehr kurze Pausen.

Quelle: fichkona-sports.de

Quelle: fichkona-sports.de

Bei der Anmeldung im November hatte ich diese Aufstellung der Fahrzeiten und Geschwindigkeiten nicht gefunden. Daher hatte ich eher konservativ geschätzt und Gruppe 3 gewählt (28-30km/h). Schon bei der Trainingsplanung mit Ralf und im Training merkte ich aber, dass eigentlich ein Start in Gruppe 2 (30-32km/h) wesentlich realistischer ist. Für Ralf galt nur Gruppe 1 – also stand ich nun da. Mit dem Geläut der Friedensglocken und einem laut heruntergezähltem Countdown wurden alle 185 Starter der 4 „normalen“ und der Expressgruppe in die Spur geschickt. Während sich die Expresstruppe schon im Anstieg absetzte, rollten wir, leicht eingebremst von den Begleitfahrzeugen den Fichtelberg hinab. Bis Kilometer 40 wurde das gesamte Feld noch geschlossen gehalten – erst dann erfolgte eine Teilung für die Durchfahrt durch Chemnitz. Da jetzt nur noch Gruppe 1 und 2 beisammen war, wurde vorn gleich mal etwas stärker an der Kette gezogen. Das zerriss hin und wieder das Feld und führte (zumindest in Gruppe 2, wie ich bei einem Bekannten gelesen habe) zu den ersten Ausfällen und Gruppenwechseln.

Quelle: fichkona-sports.de

Quelle: fichkona-sports.de

Bei der ersten Rast, nach etwa 100km erfolgte dann die endgültige Gruppenteilung. Ich fühlte mich gut. Sehr gut. Und war heiß drauf weiter zu fahren! Die Gruppe hat sich auf dem Weg zur zweiten Rast sehr schnell gefunden. Die Leistungsdichte war erstaunlich homogen, es wurde zivilisert gefahren und man konnte sich, ohne große Bedenken, nach der Führung an das Ende der Gruppe fallen lassen. Hier wurden auch die letzten wirklichen Hügel geglättet, bevor es in das flache Brandenburg ging und die Roleure auspackten. Es wurde sportlich, ohne wirklich sportlich zu wirken. Die Anzeige am Garmin pendelte sich stets zwischen 37 und 40 km/h ein. Locker pedalierend und erzählend erreichten wir so Michendorf. Zu meiner Freude warteten hier Sonja und Alex. Zum Fichkona-Flair schnuppern und motivieren. Eine trockene Regenjacke (für das Worst-Case-Szenario) hatten sie mir auch noch mitgebracht. Die vielen warmen, trockenen Kleidungsstücke musste Alex gar nicht erst aus dem Kofferraum holen. Ich hatte mich ja in Gedanken schon auf wesentlich mehr Regen eingestellt, der dann dankbarer weise spät und nicht so stark einsetzte.

Fichkona Pause Potsdam

Quelle: fichkona-sports.de

An der Rast lief alles grundsätzlich nach dem gleichen Prozedere. Rad abstellen, Flaschen füllen, essen, trinken, Riegel greifen, evtl. an das Gepäck aus dem Begleitfahrzeugen. Zwischendurch rief meistens die Betreuercrew schon „Noch 5 min bis Weiterfahrt!“ – ernsthaft, gefühlt standen sie mit einer Stoppuhr daneben. Das hatte den, wie ich finde, durchaus positiven Nebeneffekt von sehr kurzen Standzeiten. Man kühlte kaum aus, die Beine wurden nicht schwerer, als sie eh schon waren und das weiterfahren tat so auch nicht unbedingt mehr weh, als nötig.

Potsdam wurde kurzerhand mit grüner Welle durchquert. 2 Polizeimopeds vorneweg und im Unterlenker mit 40 Sachen ging es durch Brandenburgs Hauptstadt. Verdutzte Autofahrer, vereinzelt anfeuernde Passanten und schon war alles wieder vorbei.

Und jetzt kam der Teil, vor dem ich ziemlich Respekt hatte. Es wurde langsam dunkel. Und es ging nach Nordbrandenburg und Mecklenburg Vorpommern. Mit anderen Worten, bis zur Ostsee sehen Sie links und rechts ganz viel nichts. Und dunkel ist es auch noch. Zu allem Überfluss fing es dann auch noch an zu regnen. Das wiederum habe ich begrüßt, denn Regen bei Nacht hält wach. Das kann aber auch eine Eigenart oder Vorliebe von mir sein. Oder so ähnlich. Die Dunkelheit hatte zumindest auch so ihre Vorteile. Die B96 von Berlin Richtung Stralsund ist schnurgerade. Ich hasse schnurgerade Straßen. Auf dieser schnurgeraden B96 waren dann auch noch ein paar Höhenmeter versteckt. Fand ich gut, dass man das nicht gesehen hat. Man dachte ja eh fast nur noch von Führung zu Führung.

Fichkona Gruppe bei Nacht

Quelle: fichkona-sports.de

Im Feld wurde es auch ruhiger. Die zurückgelegte Strecke merkten alle mittlerweile in den Beinen und im Kopf. Mit vereinzelten Scherzen und nicht mehr ganz so viel Zug auf der Kette waren wir dann Punkt 4 Uhr Morgens über den Damm. Kurz wollte der Kopf anmelden „geschafft!“ Aber noch waren es gute 70 Kilometer bis zum erlösenden Leuchtturm. Also wieder aufs Rad, nochmal kurz verfahren, eine Pause und weiter mit Vollgas gen Norden. Das ganze hat auch wirklich nur 2h12min gedauert. Fragt nicht wie, auf den letzten 30km haben wir den Tacho wieder deutlich an die magische 40km/h Marke getrieben, das Feld zerlegt und uns den Rest gegeben. War doch kein Rennen, oder? Die magnetische Wirkung des Ziels war auf jedenfall da.

Um 6:12 MEZ haben war dann das erlösende Zielbanner durchquert. Nur kurz haben wir leere Blicke ausgetauscht. Zielsprint? Kommt, wir haben die letzten 601km zusammen zurückgelegt, wir finishen auch zusammen!

Für Datenjunkies und diejenigen, die überlegen mitzufahren – hier meine Stravadaten: http://www.strava.com/activities/160073324

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